Sexualbegleitung

Was ist Sexualbegleitung?

In der Sexualbegleitung kann Sexualität auf vielfältige Weise erlebt werden.

Die Kundin oder der Kunde gestaltet mit der Sexualbegleiterin oder dem Sexualbegleiter gemeinsam die Begegnung. Beide sollen immer sagen können, was sie wollen - und was sie nicht wollen. Nur was für beide in Ordnung ist, kann erlebt werden. Für die Sexualbegleitung wird eine bestimmte Zeit vereinbart, die bezahlt werden muss.

Wir bieten wichtige Erfahrungen mit Erotik und Sexualität an, die behinderte Menschen anderswo noch nicht machen konnten. Diese können ihnen helfen, ihr Leben glücklicher zu machen. Aber wir versorgen niemanden. Die Verantwortung für ihr Glück und für ihre Lust behalten die behinderten Menschen selber.

Wir geben behinderten Menschen die Möglichkeit, unseren Körper und ihren eigenen Körper besser kennen zu lernen und Sexualität besser zu verstehen.

Wir wollen, dass Sexualität mit weniger Scheu und Angst und Hemmungen genossen werden kann.

Wir bieten allerdings niemandem an, Sexualität mit uns zu erleben, wie er oder sie das gerade will. Wenn wir mit Behinderten zusammen sind, wollen wir gemeinsam eine lustvolle Zeit haben. Dabei sollen sich alle so verhalten, dass es dem anderen gut geht. Wir wollen auch geachtet und geschützt werden, so wie wir die Menschen achten und schützen, die wir begleiten.

Man kann bei uns keine spezielle sexuelle Dienstleistung kaufen. Man kann bei uns nur sexuelles Zusammensein erhalten. Wenn man etwas Bestimmtes in dieser Begegnung will, müssen beide dazu bereit sein.

Man kann bei uns auch keine Liebe kaufen. Eine Freundin oder einen Freund muss jede und jeder anderswo finden. Aber wir wollen helfen, dass man sich auf die Suche macht und Erfolg hat.

Wir Sexualbegleiterinnen und Sexualbegleiter müssen für unser Angebot bezahlt werden. Das muss während des Dates passieren. Ein Date - so nennen wir es, wenn wir uns für ein intimes Zusammensein verabredet haben.

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Erotische Lichtspiele

Sexualbegleitung hat sich als eine Möglichkeit entwickelt, (nicht nur behinderte) Menschen bei ihrer sexuellen Emanzipation zu unterstützen. Sie ist eine sexuelle Dienstleistung. Sie muss bezahlt werden. Dennoch unterscheidet sie sich sehr von der klassischen Prostitution.

Wir SexualbegleiterInnen bringen unsere eigene Persönlichkeit in die Kommunikation mit unseren Klienten ein. Die behinderten Menschen sind keine "Kunden" für uns, die sich eine bestimmte Illusion kaufen. Wir SexualbegleiterInnen gestalten keinen "Körperkontakt-Service" und bieten kein "Bordell".

Die körperliche Begegnung mit uns ist ein Raum, in dem wir uns und den anderen achten. Wir versuchen unsere Begegnungen ehrlich zu gestalten. Wir geben unsere Eindrücke weiter, die nicht immer nur angenehm sein müssen. Unser Ziel ist es nicht, dass ein "Kunde" immer wieder zu uns kommt. Unser Ziel ist es, dass er sein Alltags-Leben erotischer gestalten kann.

Wir bieten eine Hilfe auf dem Weg, die eigene Selbstbestimmung zu entwickeln. Daher nennen wir uns auch lieber Begleiter als Assistenten. Der Begriff "Assistenz" kommt aus einer Tradition, in der die AssistenznehmerInnen schon selbstbestimmt sind.

Wir SexualbegleiterInnen von InSeBe, ISBB und Libida wollen nicht dafür zuständig sein, behinderte Menschen glücklich zu machen, wir haben uns mit unserem Helfersyndrom auseinander gesetzt. Für ihr Glück müssen auch behinderte Menschen selber sorgen. Wir können aber wichtige Erfahrungen vermitteln.

Dazu nutzen wir auch unsere Körper. Wir schliessen keine Form der Sexualität grundsätzlich aus, wir halten uns jedoch ausnahmslos an die gesetzlichen Bestimmungen in unserem jeweiligen Land. Allerdings hat auch niemand durch seine Bezahlung ein Recht auf eine bestimmte Dienstleistung unsererseits, etwa den Geschlechtsverkehr. Was wir in eine Begegnung einbringen mögen, ist ein Ergebnis der jeweiligen Kommunikation. Unsere Klienten haben auch eine Verantwortung für uns.

Wir wollen auch die traditionellen Auffassungen von Sexualität ändern. Anders als in der klassischen Prostitution bieten wir keine sexuellen Module, die unterschiedliche Preise haben, wodurch die jeweilige Wertigkeit ausgedrückt wird. Jeder sexuelle Genuss ist uns gleich viel wert. Sexuelle Begegnungen sind für uns erotische und fantasievolle Geschichten. Einzelne Handlungen sind nicht mehr als ein Teil solcher Geschichten.

Zur Vermittlung nutzen wir die Lehren und Anleitungen aus der tantrischen Tradition. Rituale sind uns wichtig, auch um deutlich zu machen, dass die Begegnung mit uns anders ist als der Alltag. Meditation und spirituelle Körperübungen nutzen wir genau so wie Rollenspiele, Gespräche, Hilfsmittel…

Unser Angebot richtet sich jeweils an den besonderen Bedürfnissen unserer Klienten aus. Sie unterscheiden sich daher deutlich bei Körperbehinderten, Lernbehinderten, geistig oder psychisch Behinderten. Aufklärung etwa, die oft von geistig Behinderten angefragt wird, gestalten wir sehr konkret und sehr visualisiert, auch dazu nutzen wir manchmal unsere eigenen Körper.

Die Begegnung mit uns bleibt dabei eine Dienstleistung. Liebe und Partnerschaft können wir nicht anbieten. Unsere Klienten wissen das. Verlieben sie sich dennoch in uns, helfen wir ihnen genauso in ihrem Liebeskummer wie das die Selbsterfahrungsgruppen von InSeBe, ISBB und Libida tun. Wir bemühen uns aber auch nicht, diesen Liebeskummer zu vermeiden. Er gehört zu den wichtigen Erfahrungen des Lebens. Auch er hilft den behinderten Menschen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln.

Noch mehr Fragen? Noch mehr Antworten gibt es hier.


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